Warum willst du nicht in Deutschland wohnen?

Eine Frage die mich in den letzten Jahren immer wieder verfolgt hat: Warum willst du nicht in Deutschland wohnen? Manchmal vorwurfsvoll, manchmal traurig und manchmal auch neugierig. Eine einfache und kurze Antwort gibt es nicht und deshalb bleibt es oft bei einem Schulterzucken. Aber jetzt, als eine alternative Methode der Selbstfindung, bekommt ihr die lange und vielleicht auch nicht ganz so exotische Erklärung.

Ich war 18 als ich Deutschland verlies und ein langes Wegsein war niemals geplant. Mein metaphorischer Gang zum Zigarettenautomat dauert jetzt schon fast 7 Jahre an und ist zum festen Bestandteil meines Lebens geworden. Schweden, England, Schottland und bald auch Belgien, gehören zu den Ländern, die ich Zuhause nennen durfte. Neue Kulturen erleben, Grenzen testen und sich alleine durchschlagen hat alles seinen Reiz. Es ist ein Leben das sich gut erzählen lässt. Es ist aber auch ein Leben des Verzichts. Geburtstage, Trauertage und die kleinen Erlebnisse des Alltags werden der Lotterie des Flugbetriebes untergeordnet.

Gefällt es dir in Deutschland nicht?

Ich bin wohl der Inbegriff davon, was Jean-Claude Juncker seinen Job behalten lässt. Ich bin jung, gebildet und liebe die EU. Darf man das heute noch so sagen oder ist das so 1993? Ich sag es einfach mal, weil es viel öfters gesagt werden sollte. Es ist eben diese Überzeugung für eine politische Idee, die mein Leben in den letzten Jahren so geprägt hat. Auch wenn das Konstrukt in den letzten Jahren und Monaten Risse erhalten hat so ist es für mich der Grundgedanke der so viele persönliche Möglichkeiten in sich trägt.

Es ist die Möglichkeit auf unbestimmte Zeit andere Lebensweisen kennenzulernen ohne das irgendwo die Aufenthaltsgenehmigung’s Uhr tickt. Wer will, der kann. Wer nicht will, der muss nicht. Und das ist der Punkt, warum ich nicht in Deutschland wohne. Ich muss es nicht. Es ist die einzigartige Gelegenheit mich in unterschiedlichen Lebenslagen Deutsch, Schwedisch oder gar Britisch zu fühlen. Es ist jenes Gefühl, das vielen Betroffenen des Brexit’s bald geraubt werden wird.

Abschließend gilt es zu sagen, ich liebe Deutschland weil ich es 18 Jahre meines Lebens Zuhause nennen durfte. Aber Deutschland ist für mich wie jedes andere Land eine Möglichkeit für die ich dankbar sein kann. Es ist ein privilegiertes Leben, mit Angeboten die man kritisieren oder dankbar annehmen kann.

 

 

 

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